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Beinprothese mit Fuehlfunktion

Jahrelang litt Mitglied der Selbsthilfegruppe "Leben mit Amputation" unter quälenden Schmerzen. Physikalische Therapien zur Schmerzbehandlung haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Ein für den Patienten entwickeltes „fühlendes“ Beinprothesenkonzept hat zur ersehnten Wende geführt.

von OA Dr. Eva-Maria Baur, OA Dr. Thomas Bauer

Unter Laborbedingungen positive Studienergebnisse

Wolfgang R. (54), Diplompädagoge aus Oberösterreich, wurde im Jahr 2007 beinamputiert. Trotz einer Standard-Prothesenversorgung litt der Familienvater unter den typischen nach einer Amputation auftretenden Schmerzen und war weitgehend immobil (Beschwerden können gleich oder Jahre nach der Amputation auftreten und eine mehr oder weniger ausgeprägte Wetterabhängigkeit aufweisen). Im Jahr 2013 wurde der Patient in das Studienprojekt Fühlende Beinprothese der Universitätsklinik für Plastische-, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie Innsbruck und der FH Oberösterreich, Department für Medizintechnik aufgenommen. Im Oktober 2014 wurde ein selektiver Nerventransfer  - Targeted Sensory Reinnervation (TSR) - durchgeführt. Die Haupt-Indikation für die Operation war zunächst möglichst schmerzhafte Nervennarben (Neurom) durch die Umleitung (und teilweiser Entfernung) der Nerven positiv zu beeinflussen. Eine an der FH Oberösterreich entwickelte Feedback-Sensorik überträgt Druckinformationen aus der Sohle einer mikroprozessorgesteuerten Fußprothese auf umgeleitete Nervfasern des Fußbereichs in Hautareale des Amputationsstumpfes. Damit „fühlt“ der Prothesenträger an der Fußprothese - er erkennt die Beschaffenheit des Bodens sowie Hindernisse besser. Das Studienergebnis zeigt: die Sturzgefahr beim Gehen wird reduziert, der wiederhergestellte Informationstransfer trägt zur natürlicheren Integration der Prothese in das Körperbild des Patienten bei und die Nervenumleitung hat inzwischen zum gänzlichen Verschwinden der Schmerzen geführt. Eine medikamentöse Schmerzbehandlung ist nicht mehr notwendig.

Reaktivierung von Nervstümpfen für die moderne Prothesenversorgung

Über motorische Nervenbahnen werden einerseits Informationen von der "Schaltzentrale" Gehirn zum Körper geleitet, andererseits leiten sensorische Nervenbahnen Informationen vom Körper zum Gehirn. Der somatische Anteil des sensorischen Nervensystems nimmt Informationen, wie zum Beispiel Berührungen, Temperaturempfindungen oder Schmerzreize,  von der Umwelt auf und leitet sie an das Gehirn, den Ort der bewussten und unbewussten Wahrnehmung, weiter.

Bei Menschen mit Gliedmaßen-Amputationen sind somatosensorische Nerven abgetrennt. Obwohl die im Körper verbleibenden Nervenreste intakt sind, nehmen sie keine Informationen mehr auf. Am Nervenende bildet sich eine häufig schmerzhafte Nervennarbe (Neurom). Innerhalb der kortikalen Repräsentanz des betroffenen Gliedes kommt es durch das Fehlen der sensorischen Information zu einer Art Überkompensation mit im Gehirn autonom generierten Signalen, die zusätzlich zu Phantomschmerzen führen können.

Bei der Targeted Sensory Reinnervation (TSR) werden abgetrennte, sensorische Nervenreste chirurgisch so in Hautareale des Amputationsstumpfes geleitet, dass diese Verbindungen mit Rezeptoren (biologische Reizaufnehmer) herstellen. In der Studie erregen sechs an der Hautoberfläche platzierte Stimulatoren (künstliche Reizgeber) die Rezeptoren des reinnervierten Hautareals gemäß dem Muster der momentanen Druckverteilung, welche von sechs Drucksensoren an der Prothesensohle aufgenommen wird. Die auf diese Weise in den Nervenden erzeugten elektrischen Signale (Aktionspotentiale) werden  ähnlich wie bei einem natürlichen Fuß zum Gehirn geleitet. Sie stellen reale Informationen des Fußes dar, die nicht mehr von autonom generierten Signalen kompensiert werden müssen.

Zusammenarbeit von Leben mit Amputation mit FH OOE

Die Selbsthilfegruppe Leben mit Amputation arbeitet mit der FH OÖ / Campus Linz zusammen. In der Kooperation geht es um die Einbeziehung von Menschen mit Amputationen in der Lehre und um die  gemeinsame Durchführung von Forschungsprojekten im Bereich Prothetik. http://prothetik.fh-linz.at

Im Bild: Lydia Windisch, Leiterin von Leben mit Amputation und Hubert Egger, Professor für Prothetik an der FH OÖ / Campus Linz.

Radiosendung - Leben mit Amputation

Leben mit Amputation

Radiosendung - Beinprothesen von Endolite

Beinamputation - wie geht es weiter?

Eine Beinamputation ist für den Betroffenen immer ein schwerwiegender und belastender Eingriff in sein bisheriges Leben. Der Ratgeber von Eurocom e.v. zum downloaden bietet Ihnen eine Orientierung und Information für die erste Zeit nach der Amputation. Er ermutigt Sie, sich als mündiger Klient aktiv in Ihren Genesungsprozess einzubringen. Sie entschieden mit, welche Rehabilitation und welche Prothesenversorgung Ihren Anforderungen am besten entsprechen. Menschen mit Amputationen machen Ihnen Mut, die Amputation als Chance anzunehmen. DOWNLOAD Ratgeber

Phantomschmerzen - Klassifikation und Therapie

Phantomschmerzen können die Lebensqualität nach einer Gliedmaßenamputation massiv beeinträchtigen. Leider kann keine Methode definitiv empfohlen werden: jeder der an Phantomschmerzen leidet muss letztlich selbst die für ihn geeignete Methode herausfinden. Das Info-Dokument zum downloaden gibt eine Übersicht über die Klassifikation von Phantomschmerzen und mögliche Therapieformen. DOWNLOAD Phantomschmerz 

Test

Liner - Was gibt es am Markt?

Liner stellen die wichtige Verbindung zwischen Körper und Schaft einer Prothese dar. Die Qualität der Linersist entscheidend für das Wohlbefinden des Anwenders und den Sitz der Prothese. Das Info-Dokument zum downloaden gibt eine Übersicht über die Liner verschiedener Hersteller. DOWNLOAD Liner 

Stumpfbehandlung mit Elektrostimulation

Die Elektrostimulation ist eine Methode, um mithilfe von elektrischen Strömen Nerven und Muskeln anzuregen. Geeignete Elektroden applizieren dabei die Ströme, welche in die Haut im Bereich der betroffenen Region fließen. Die Eigenschaften der elektrischen Ströme (Signalform, Frequenz, Amplitude usw) hängen von der Art der Anwendung ab. Die Elektrostimulation wird auch für den Muskelaufbau eines Amputationsstumpfes und für die Phantomschmerztherapie herangezogen. Das Info-Dokument zum downloaden gibt eine Übersicht über am Markt verfügbare Geräte. DOWNLOAD Elektrostimulation

Phantomschmerz - Presseaussendung Firma Medi

In einer Presseaussendung im Jahr 2012 hat die Firma Medi www.medi-austria.at Ihre neuen medi Relax Hilfsmittel vorgestellt, welche als wichtiger Therapiebaustein Phantomschmerzen lindern oder sogar ausschalten können. Anwender berichten über außergewöhnliche Erfolge. Für Interessenten besteht die Möglichkeit die Produkte zu testen. Sollte keine Linderung der Symptome eintreten, können die Produkte retourniert werden. Auf Anfrage schreibt uns der Hersteller: 

„GELD ZURÜCK GARANTIE“ - Testen Sie ohne Risiko!

„Sollte keine Wirksamkeit bei Ihnen eintreten, geben Sie den medi RELAX Night Care nach 1-wöchiger Testphase einfach zurück an Ihren Sanitätsfachhandel. Hierzu muss nur das mitgelieferte und dokumentierte Schmerztagebuch beigelegt werden“.

DOWNLOAD Pressetext

DOWNLOAD Katalog Phantomschmerz
DOWNLOAD Katalog_mediRELAX_Nightcare
DOWNLOAD E005370_Schussettikett_Relax Night Care_10.11
DOWNLOAD Broschüre_medi_Liner_4Seal_lowPDF; Broschüre_Liner_RELAX
DOWNLOAD 70163_Flyer_RELAX_low; Erfolgsgeschichte_RELAX_Bernward_S

 

Prothesenhersteller Uebersicht

Die Tabelle zeigt eine Übersicht über Prothesenhersteller für die untere und obere Extremität. Der Inhalt ist unvollständig und wird laufend ergänzt. Infos bitte unter lebenmitamputation(at)gmail.com